TransnetBW

Wie TransnetBW das BIL-System für Spannfeldanalyse® und Leitungsauskunft nutzt

15.08.2026 | Nil Pinto Pedrosa, Team Trassierung & Externe Planungsverfahren, TransnetBW

Im Gespräch mit der TransnetBW

Recherchiert man ein Icon für Strom, werden zwei Varianten angeboten: der Blitz für Spannung oder die zwei Pole Plus und Minus. Zwei Seiten, die erst durch ihre Verbindung ein funktionierendes System ergeben. Die Sachlage ist natürlich komplexer, aber das Bild zeigt gut, warum das BIL-System bei TransnetBW gleich in zwei sehr unterschiedlichen Aufgabenfeldern eine wichtige Rolle spielt und dabei in der Lage ist, Konflikte zu vermeiden.

Auf der einen Seite stehen die Planung und der Ausbau der eigenen Netzinfrastruktur. Auf der anderen Seite steht der Schutz des bestehenden Netzes vor Fremdeinwirkungen durch externe Bau- und Planungsvorhaben. Beide Aufgaben folgen unterschiedlichen fachlichen Logiken. Beide werden von unterschiedlichen Teams bearbeitet. Und doch verfolgen sie dasselbe Ziel: Risiken früh erkennen, Zuständigkeiten klären und Sicherheit herstellen, bevor aus räumlicher Nähe ein technischer oder operativer Konflikt entsteht.

TransnetBW ist einer der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber. Das Unternehmen betreibt das Höchstspannungsnetz in Baden-Württemberg mit 220- und 380-kV-Leitungen und verbindet regionale Verteilnetze mit dem deutschen und europäischen Verbundnetz. Damit sichert TransnetBW die Stromversorgung für Industrie, Versorger und mehr als elf Millionen Menschen. Neben dem Betrieb und der Systemführung gehören Netzausbau, Wartung, Innovation und die Mitarbeit an regulatorischen Prozessen zu den zentralen Aufgaben des Unternehmens.

Naheliegend: Strom muss dort verfügbar sein, wo er gebraucht wird. Gleichzeitig entsteht ein wachsender Teil der Energie dort, wo Wind, Sonne und Fläche zur Verfügung stehen. Der Transport elektrischer Energie über große Distanzen ist deshalb eine zentrale Voraussetzung für die Energiewende. Doch jede neue Planung, jede Kapazitätserhöhung und jede Veränderung im Netzumfeld muss in bestehende Infrastrukturlandschaften eingebettet werden. Genau dort beginnt die Arbeit an den Schnittstellen.

Zitat auf türkisem Hintergrund: 'Gerade für die Flächensuche ist die Spannfeldanalyse® sehr hilfreich: Man sieht früh, wo sensible Infrastrukturen liegen und welche Bereiche besser ausscheiden.
Natalie Bellmann, Fachgruppe Hochspannungsbeeinflussung bei TransnetBW, am Arbeitsplatz mit Laptop

Mit der Spannfeldanalyse® Beeinflussungen auf der Spur

Für Außenstehende klingt es zunächst überraschend: Beim Betrieb von Höchstspannungsleitungen geht es nicht nur darum, Strom sicher von A nach B zu transportieren. Es geht auch darum, mögliche Wechselwirkungen mit der Umgebung zu erkennen und zu bewerten. Hochspannungsinfrastruktur kann andere Anlagen beeinflussen, insbesondere metallische Leitungssysteme wie Pipelines. Entscheidend ist dabei nicht allein die räumliche Nähe. Relevant wird eine Konstellation erst dann, wenn aus Verlauf, Abstand, Parallelführung, Leitungslänge, Betriebszuständen und den Eigenschaften der benachbarten Infrastruktur ein fachlicher Prüfbedarf entstehen kann.

Für die Fachgruppe Hochspannungsbeeinflussung setzt hier die Arbeit mit Hilfe der Spannfeldanalyse® im BIL-System an. Sie ersetzt keine technische Detailbewertung und keine gutachterliche Prüfung. Ihr Wert liegt früher im Prozess. Sie hilft dem Team, potenziell relevante Annäherungen sichtbar zu machen und jene Fälle zu identifizieren, die in einen vertieften Fachprozess überführt werden müssen.

„Gerade für die Flächensuche ist das sehr hilfreich: Man sieht früh, wo sensible Infrastrukturen liegen und welche Bereiche besser ausscheiden.“

Diese vorgelagerte Einordnung ist unter anderem im Zusammenhang mit der Einhaltung des Berührungsschutzes entscheidend. Ob ein metallisches Rohrleitungssystem durch Hochspannungsinfrastruktur beeinflusst werden kann, hängt von zahlreichen Parametern ab: vom Zustand der Rohrleitung, von Beschichtung und kathodischem Korrosionsschutz, von Erdungsbedingungen, elektrischen Kopplungssituationen sowie der Konstruktion der Stromleitung und den maximalen Betriebsströmen. Solche Fragen lassen sich nicht aus einer bloßen Kartennähe beantworten. Bevor diese fachliche Tiefe sinnvoll bearbeitet werden kann, muss aber feststehen, welche Fälle überhaupt in diese Prüfung gehören.

Über die Leitungsauskunft zum Dialog kommen

Nicht weit vom Team Hochspannungsbeeinflussung sitzen die Kolleginnen und Kollegen der Externen Planungsverfahren. Hier geht es nicht um die Planung der eigenen Trassen oder die Bewertung möglicher Beeinflussungen, sondern um externe Bau- und Planungsvorhaben im Umfeld der bestehenden Infrastruktur sowie im Bereich von Leitungsbauprojekten. Wer plant, baut, Flächen entwickelt oder Baumaßnahmen vorbereitet, muss wissen, welche Leitungen betroffen sein könnten. Umgekehrt müssen Infrastrukturbetreiber möglichst früh erfahren, wenn sich in der Nähe ihrer Anlagen etwas bewegt.

Über das BIL-Portal wird dieser Kontakt hergestellt. Anfragende erfassen ihr Vorhaben standardisiert im System. Der Infrastrukturbetreiber kann prüfen, ob und in welchem Maß seine Anlagen betroffen sind. Für große Netzbetreiber ist diese frühe Information von erheblichem Wert. Denn relevante Vorhaben betreffen nicht nur eindeutig sichtbare Leitungsverläufe oder klassische Schutzstreifen. Auch Arbeitsflächen, Zufahrten, Lagerbereiche, Baustelleneinrichtungen oder Nebenmaßnahmen können sicherheitsrelevant sein.

Für Nil Pinto Pedrosa und seine Kolleginnen und Kollegen ist die Leitungsauskunft deshalb weit mehr als eine formale Rückmeldung. Sie ist häufig der Startpunkt eines Prüf- und Abstimmungsprozesses. Je nach Art und Qualität der Anfrage müssen Unterlagen geprüft, Geometrien abgeglichen, Pläne nachgefordert, Bauabschnitte eingeordnet und Fristen bewertet werden. So ist nicht nur bei komplexen Bauvorhaben, auch bei Bewertung von Bauprojekten wie zum Beispiel PV-Anlagen, Batteriespeichern, Verlegung von TK-Netzen oder der Anbindung von Windkraftanlagen ein strukturierter Eingangskanal ein wertvolles Werkzeug.

Zitat auf türkisem Hintergrund: 'Die BIL-Anfrage ist oft der Startpunkt des Prozesses. Sie zeigt uns: Da hat jemand etwas vor – und wir können früh reagieren
Mann mit Brille gestikuliert im Gespräch, unscharfer heller Hintergrund

„Die BIL-Anfrage ist oft der Startpunkt des Prozesses. Sie zeigt uns: Da hat jemand etwas vor – und wir können früh reagieren.“

Der zentrale Sicherheitsgewinn liegt dabei in der frühen Sichtbarkeit. Auch eine Anfrage, die noch nicht alle Informationen enthält, kann wertvoll sein, weil sie überhaupt einen Kontakt herstellt. Sie macht deutlich: Hier entsteht ein Vorhaben. Hier könnte eine Betroffenheit vorliegen. Hier muss geprüft werden, bevor Fakten auf der Baustelle geschaffen werden.

Wechselwirkung nutzen

Im Austausch mit den Teams wurde deutlich: Sowohl die Leitungsauskunft als auch die Spannfeldanalyse® haben sich in der Praxis als effiziente und belastbare Werkzeuge erwiesen. Sie schaffen frühe Klarheit, strukturieren Prüfprozesse und helfen dabei, potenzielle Konflikte rechtzeitig sichtbar zu machen.

Zitat auf türkisem Hintergrund: 'Ich würde BIL jedem empfehlen. Es schafft eine Art Sicherheit – für uns als Betreiber genauso wie für diejenigen, die planen oder bauen.
Mann mit Brille sitzt lächelnd am Laptop in einem hellen Büro mit Fensterjalousien im Hintergrund.

Gleichzeitig zeigt der Alltag, dass digitale Systeme immer in menschengemachte Prozesse eingebettet sind. Informationen fehlen, Abläufe müssen im persönlichen Kontakt geklärt werden, Rückfragen bleiben notwendig. Und nicht immer werden die Systeme so genutzt, wie es sich die zuständigen Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter für eine möglichst reibungslose Bearbeitung wünschen würden.

Genau hier liegt eine wichtige Aufgabe für die Weiterentwicklung: Eine Softwarelösung allein löst nicht alle Herausforderungen. Sie muss verstanden, angewendet und immer wieder mit der Realität der Bau- und Planungsprozesse abgeglichen werden.

In der BIL-Community haben wir dafür Formate entwickelt. Das Infrastruktur. Betreiber. Forum (IBF) – leistet dafür einen wichtigen Beitrag. Dort kommen Betreiber, Fachleute aus der Bauwirtschaft und das BIL-Team zusammen, um Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam darüber nachzudenken, wie der Dialog zwischen den Beteiligten weiter verbessert werden kann.

Für Frederik Wienker und Nikolaus Frank ist der Austausch vor Ort mit den Betreibern ein wertvoller Impuls. Er dient dazu, die Arbeit mit dem System aus der praktischen Perspektive zu reflektieren, Weiterentwicklungen einzuordnen. Der Realitätsabgleich mit dem, was „draußen“ in Planung, Bau und Betrieb tatsächlich passiert, ist nicht nur lehrreich, sondern auch wirklich spannend. Das sei jenen gesagt, denen es manchmal an Spannung fehlt.

Im Gespräch mit BIL-Portal Infrastrukturbetreibern:
Nikolaus Frank
Nikolaus Frank
Strategische Kommunikation
Unternehmenskommunikation
Frederik Wienker
Frederik Wienker
Betreiberbetreuung
Geodaten und Datenanalyse