BIL-Day 2018 – Leitungsauskunft als Wirtschaftsfaktor

Am Dienstag, dem 19. Juni 2018, fand im Kölner Mediapark der erste BIL-Day statt. Rund 120 Teilnehmer aus der Versorgungs- und Bauwirtschaft sowie von Verbänden und sonstigen Organisationen verfolgten die Fachvorträge im Plenum und fanden zudem einen regen Austausch mit den insgesamt 15 Ausstellern, die sich im Rahmen des BIL Days dem Publikum präsentierten.
In der am Nachmittag parallel zum Hauptprogramm durchgeführten BIL Genossenschaftsversammlung wurde Herr RA Markus Heinrich von der Anwaltskanzlei Wolter Hoppenberg aus Hamm zum zweiten BIL-Vorstand bestellt. Darüber hinaus wurde der Aufsichtsrat neu gewählt, der in seiner anschließenden konstituierenden Sitzung Herrn Andreas Haskamp von der BP Europe SE zum neuen Vorsitzenden wählte. Der bisherige Vorsitzende Claus Meyer von der Open Grid Europe GmbH wurde nach drei Jahren turnusmäßig verabschiedet und wechselt nun als Vertreter seines Unternehmens in den Aufsichtsrat. Der bisherige zweite Vorstand, Marius Drysch schied ebenfalls nach dreijähriger Amtszeit planmäßig aus.


Neuer Vorstand und neuer Vorsitz des Aufsichtsrates der BIL eG. Von links nach rechts: Markus Heinrich (ehrenamtlicher Vorstand der BIL eG), Jens Focke (Hauptamtlicher Vorstand der BIL eG), Andreas Haskamp (Vorsitzender des Aufsichtsrates der BIL eG)

Das Thema Leitungsauskunft galt in Deutschland lange Zeit als unbequem und für alle beteiligten Parteien als lästige Pflichtaufgabe. Die Strukturen waren eingefahren und verfestigt und nur wenig Aufmerksamkeit wurde sowohl in der Bauwirtschaft wie auch bei Leitungsbetreibern den gewohnten Prozessen gewidmet. Dass dieser Trend so nicht weitergeführt werden konnte, wurde am 15. Juni 2015 durch insgesamt 17 führende Netzbetreiber der Gas-, Öl- und Chemieindustrie mit Unterstützung führender Fachverbände aus der Versorgungswirtschaft und der Bauindustrie mit der Gründung der BIL eG deutlich gemacht. BIL, das erste bundesweite Informationssystem zur Leitungsrecherche, hat nun inzwischen seit seinem Online-Start am 29.02.2016 weit über 110.000 Leitungsanfragen erfolgreich bearbeitet und ist damit schon in kürzester Zeit zu Deutschlands wichtigstem Instrument zur Einholung von Leitungsauskünften geworden. 60 Partnerunternehmen unterstützen heute BIL, die in allen 16 Bundesländern Leitungen unterhalten und betreiben. Doch nicht nur die hohen Anfragezahlen, sondern auch inhaltlich beflügelt BIL die hinter dem Thema Leitungsauskunft stehenden Metathemen. So ist etwa seit einigen Jahren die Diskussion um die Sicherheit der Leitungsnetze und deren Schutz vor Funktionsausfall in vollem Gange. Diese Diskussion wird begleitet von einer neuen Interpretation der Rechtsauffassungen zum Thema Leitungsauskunft sowohl im gültigen Regelwerk wie auch auf gesetzgeberischer Ebene.

Prof. Dr. Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Verbandes des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW) teilte in seiner Eröffnungs-Key-note dann auch mit, dass nach Auffassung des DVGW nur ein zentrales deutschlandweites Metasystem zur Leitungsauskunft in der Lage sei, nachhaltig zur Verbesserung der Leitungs- und Infrastruktursicherheit dauerhaft beitragen zu können.

Prof. Linke stellte insbesondere die Aufgabe zur Erhöhung der Sicherheit in einen solidarischen Gesamtkontext aller Leitungs- und Netzbetreiber sowie der relevanten Marktteilnehmer und rief damit zu deren Kooperation auf.


Prof. Dr. Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender des DVGW e.V. machte in seinem Eröffnungsvortrag auf dem BIL-Day 2018 deutlich, dass nach Auffassung des DVGW nur ein zentrales deutschlandweites Metasystem zur Leitungsauskunft in der Lage sei, nachhaltig zur Verbesserung der Leitungs- und Infrastruktursicherheit dauerhaft beitragen zu können.

Da die genossenschaftliche Organisationsform der BIL eG den idealen Rahmen für die Bündelung der Kräfte und die Gleichberechtigung aller Marktteilnehmer ohne eigenes Gewinnstreben bildet, rief auch der Vorstand der BIL eG, Dipl.-Ing. Jens Focke, die Teilnehmer in seinem Einführungsvortrag zum Mitmachen und zur Kooperation auf. „Bei BIL kann jeder mitmachen und sich einbringen. Alle sind gleich unter Gleichen und niemand muss fürchten, dass seine Interessen von anderen missachtet oder ignoriert werden. BIL soll das Instrument des single point of entry für die Leitungsauskunft in Deutschland sein“, sagt Jens Focke in seinem Vortrag.

Auch die Bauwirtschaft begrüßt nach Auskunft von Dipl.-Ing. Heike Böhmer, geschäftsführende Direktorin des Institutes für Bauforschung (IFB), den BIL-Ansatz zu einer Bündelung und Vereinigung auf ein Portal zur Leitungsauskunft in Deutschland. Frau Böhmer präsentierte die Ergebnisse der Studien des Institutes für Bauforschung zu dem Thema „Leitungsschäden“ aus jüngerer Vergangenheit und machte hier vor allem auch die hohe Zahl der notwendigen Einzelanfragen bei Leitungsbetreibern mit für den starken Anstieg der Leitungsbeschädigungen verantwortlich. Durchschnittlich müssen Bauunternehmen nach Ergebnissen des IFB bei mindestens drei bis sechs Betreibern nach Leitungen anfragen und erhalten oft verspätet oder gar keine ausreichenden Informationen. Dies machte die jüngste Studie des Hauses von vor wenigen Jahren sichtbar. Oftmals fehle es einfach sogar nur an einfachen Informationen dazu, wer definitiv im Anfragegebiet keine Leitungen betreibt und auf wessen Antwort man daher auf keinen Fall mehr warten müsse, so Böhmer. Dies schaffe Verwirrung und Unsicherheiten und lässt manchen Bauunternehmer schlichtweg fast verzweifeln, da er die berühmte Nadel im Heuhaufen oftmals sucht, erklärte Böhmer weiter.

„Wenn wir in Deutschland den Erneuerungsprozess der Infrastruktur und die nachhaltige Erweiterung des privaten Wohnungs- und Hausbaues vorantreiben wollen, dann brauchen wir für diese Dinge wie die Leitungsauskunft einfache und schnelle Instrumente, die dazu geeignet sind, mit modernen Methoden, vollständig digital die gewünschten Informationen schnell und zuverlässig und vor allem auch rechtlich gesichert zu liefern“, so jedenfalls formuliert Heike Böhmer die Aufgaben der Zukunft aus Sicht der Bauwirtschaft heraus.

BIL bietet neben der mittlerweile wichtigsten Online-Plattform für Einholung von Leitungsauskünften in Deutschland, eine vorgeschaltete Online Zuständigkeitsprüfung der bei BIL direkt organisierten Betreiber. Diese Positivliste ist für den Anfragenden auch deshalb wichtig, weil ihm die als zuständig identifizierten Betreiber in jedem Fall über BIL umgehend antworten werden.

Selbst zum Gelingen der Energiewende leistet die Leitungsauskunft aktiv schon heute einen erheblichen Beitrag, in dem sie hilft, den Aus- und Umbau der Netze abzusichern und zudem für die neuen Netze und Netzteile die Zukunftssicherheit zu gewährleisten.

Der Fachbeitrag der Firma Amprion auf dem BIL-Day in Köln zeigte auf, wie etwa die Leitungsauskunft über BIL die Trassenplanung für den Übertragungsnetzausbau hilft zu beschleunigen. Dipl.-Ing. M.Sc. Lars Henter, Mitarbeiter im Assetmanagement des Dortmunder Unternehmens und dort verantwortlich für elektromagnetische Verträglichkeit bzw. Beeinflussungsfragen, zeigte auf, wie mit der BIL Leitungsauskunft die erforderliche Spannfeldanalyse, also die Identifikation der potentiell durch Hoch- und Höchstspannungsleitungen beeinflussten Fremdleitungsbetreiber, deutlich schneller durchgeführt werden kann und damit den Ausbauplanungsprozess unterstützt.

Am Rande des BIL-Days wurde zudem bekannt, dass Amprion ab sofort als nunmehr 60igstes Mitglied zu BIL gestoßen ist.

Im anschließenden Vortrag wies Herr Vogel, Leiter Ressort Netz der GASCADE Gastransport GmbH aus Kassel auf die unbedingte Notwendigkeit digitaler Prozesse bei Planung, Bau und Betrieb von Gastransportleitungen hin. „Ohne Unterstützung von automatisierten Prozessen sind wir nicht mehr in der Lage, kurzfristig Leitungsauskünfte zu erteilen“ betont Herr Vogel die Notwendigkeit des BIL-Portals aus Sicht der Gründungsmitglieder stellvertretend für die deutschen Pipelinebetreiber.

Auch die Digitalisierung der Bauwirtschaft und der Versorgerwelt braucht verlässliche, durchgehend digitale Arbeitsprozesse und damit Datenschnittstellen, die eine effiziente Einbeziehung der Daten von der Planung bis zur Umsetzung gewährleistet. Hier sind beide Bereiche, sowohl die Bauwirtschaft wie auch die Versorgerbranche gefordert, aufeinander zu zugehen, indem der eine Partner die Bedürfnisse des anderen besser kennenlernt und versteht, um diese Erkenntnisse in die Bereitstellung technologischer Lösungen mit einzubeziehen. In Zeiten der stark zugenommenen Bauaktivitäten sind Leitungsbetreiber auf effektive Prozessabläufe angewiesen, die auch den anfragenden und planenden Parteien eine Beschleunigung der Recherche und des Antworterhalts ermöglichen und damit zur Beschleunigung von Bauvorhaben beitragen. Prof. Dr. Markus Stöckner, Leiter des Steinbeis Transfer Institutes an der Hochschule Karlsruhe zeigte in seinem Vortrag zum Thema Anforderungen an die Datenqualität im BIM Prozess auf, wie Daten aus unterschiedlichen Quellen für den Building-Information-Modeling-Prozess bereitzustellen sind, um eine vollständige Digitalisierung der Baustelle und des Bauprozesses zu ermöglichen. Hier erlangen nach Auffassung von Prof. Stöcker, der aus dem Straßenbau stammt, vor allem auch dreidimensionale Daten der im Untergrund befindlichen Leitungsinfrastruktur eine große Bedeutung.

Insgesamt zeigten sich die Teilnehmer des ersten BIL- Days am Ende der Veranstaltung beeindruckt von der Themenvielfalt und der hohen fachlichen Qualität der Vorträge.

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